That Guy: Umgang mit schwierigen Spieler- innen

Eine der interessanten Herausforderungen beim Aufbau und der Leitung einer Pen-&-Paper-AG besteht nicht nur im Management einer großen Gruppe (darauf komme ich in einem anderen Beitrag zurück), sondern auch darin, die vielen unerfahrenen Spieler:innen behutsam an die komplexe soziale Interaktion am Spieltisch heranzuführen. Schließlich möchte man vermeiden, dass nach dem Halbjahr die Hälfte der Teilnehmenden wieder abspringt, weil es ständig Streit gab und der Spaß verloren ging.

Und ja – es hat nicht lange gedauert, bis die ersten Jungs in der AG durch ihr Spielverhalten den Spielfluss in ihrer Runde gestört haben. Mal ließen sie ihre Charaktere Aktionen ausführen, die sie vielleicht aus Computerspielen kannten, die aber so gar nicht in die Szene passten. Mal waren sie schlicht unkonzentriert (nach sechs Stunden Unterricht durchaus nachvollziehbar) und machten konsequent out of character Quatsch am Tisch.

Die Frage ist also: Wie geht man pädagogisch sinnvoll damit um? Schließlich handelt es sich hier um eine Schul-AG – nicht um eine erwachsene Rollenspielrunde, die einmal im Monat in der Spielekneipe um die Ecke zusammenkommt. Das Ziel sollte also sein, klar, aber trotzdem wertschätzend und respektvoll zu bleiben, damit der besondere Charakter der AG – das Miteinander auf Augenhöhe, der bewusste, respektvolle Umgang, die nicht-unterrichtliche Atmosphäre – erhalten bleibt.

Ganz der Lehrer hilft hier vielleicht der Blick auf die konkreten Verhaltensweisen der Spieler:innen am Tisch. Interessanterweise haben sich im Rollenspielmilieu schon viele Menschen Gedanken über schwierige Spielertypen gemacht und diese kategorisiert: der Störer, der Einzelgänger, der Power Gamer – und wie sie alle heißen (beim Lesen der Online-Foren bekommt man wirklich Lust, ein Zweitstudium in Psychologie anzufangen). 

Zunächst einmal zu verstehen, wie sich ein Schüler konkret am Tisch verhält und warum, macht eine spätere Ansprache deutlich leichter. Besonders hilfreich war in einem Fall der indirekte Weg: über den Charakter des Spielers zu sprechen, nicht über den Schüler selbst. Ein einfaches: „Mir ist aufgefallen, dass dein Charakter in der letzten Sitzung viele Dinge getan hat, die den Spielfluss behindert haben“ – so ließ sich eine direkte Konfrontation vermeiden. Das führte schnell zur Einsicht und, was noch wichtiger ist, zu einer  Verhaltensänderung in der nächsten Session.

Wirklich gute Tipps dazu finden sich übrigens in Brian Jamisons „Gamemastering“ und in „The Ultimate RPG Game Master’s Guide“ von James D’Amato. Beide bieten praxisnahe Ansätze, um mit typischen Konfliktsituationen am Spieltisch souverän umzugehen – was mich auf die Idee bringt, eine kleine Handreichung für angehende Schüler-GMs zusammenzustellen, damit solche Probleme künftig kompetent innerhalb der Peer Group gelöst werden können. 

So, ein Gedanke der mir jetzt gerade kommt: warum die Typisierung nicht auch mal auf der nächsten Lehrerkonferenz anwenden? Da sitzen garantiert mindestens ein Rules Lawyer, zwei Power Gamer – und der Lone Wolf, der grundsätzlich gegen alles stimmt…

Posted in

Hinterlasse einen Kommentar